Ein Engel für die Krippe
Die Zeit ist da! Es tut sich wieder was in der Krippe!
Erich ist schon einige Wochen unruhig. Er trägt sich mit einem Gedanken, oder mit mehreren.
Die Reparaturarbeiten waren heuer schnell erledigt, sagt er, und dass er leicht noch einen Engel machen könnte.
Im Sommer hab ich unvorsichtigerweise fallen lassen, dass ein Engel, schwebend über der Krippe, gut ausschauen könnte. Man darf ja wirklich nicht laut denken!
Aber zurück zu Erich. Es ist halt doch immer noch „seine Krippe“! Er, der die Anfänge unter der Führung von Jäger Siegi mitgemacht hat, sie liegt ihm halt am Herzen. Und er hat den Anspruch, dass er jedes Jahr eine neue Figur machen möchte. 2009 kam der kleine Hirtenbub, der Maxl, oder wie er auch immer heißt. Und heuer soll es der Engel der Erleuchtung sein, meint er.
Ja, der würde unserer Welt oder einfach unserer Stadt oder uns Menschen sicher gut tun. Erleuchtung könnte jeder gut brauchen, der eine mehr, der andere weniger.
Erleuchtung könnte heißen: etwas mehr Toleranz den Armen, den Ärmeren, den Gescheiterten gegenüber. Nicht jeder, der in der Notschlafstelle oder in ähnlichen Institutionen landet, ist allein selber schuld und könnte es von sich aus wieder richten. Manche sitzen schon so tief unten, dass für sie das Licht diverser Engel nicht mal mehr zu sehen ist.
Erleuchtung könnte heißen: Achtung vor dem Schicksal dieser Menschen, Respekt für ihre Art zu leben und ihre Versuche, durchzukommen, Wertschätzung für ihr Benehmen, das nicht immer lupenrein ist, für ihre Bemühungen, wieder Fuß zu fassen, obwohl es in Zeiten wie diesen schon sehr schwer ist. Aber es ist immer einer dabei, der es trotz allem wieder schafft, vielleicht auch eine Art der Erleuchtung?
Erleuchtung könnte aber auch heißen: Danke für die materiellen Spenden, die wir für unsere Klienten immer wieder bekommen. Sie leben auch davon! Aber noch viel mehr brauchen sie Lob und Anerkennung für das, was sie trotz ihrer verzwickten Lage tun, z.B. eine wunderschöne Freiluftkrippe gestalten, die jedes Jahr eine Menge Besucher anzieht und die schon ein fester Bestandteil des Weihnachtsangebotes der Christkindlstadt Steyr ist. Mit geringen finanziellen Mitteln und großem Einsatz wie dem von Erich ist das möglich!
Gottseidank habe ich einige „Erichs“ – nicht alle so kunstfertig und kreativ wie der Namensgeber, aber jeder von ihnen sehr engagiert und verlässlich. Obwohl sie ganz unten sind. Aber vielleicht ist bei meinen „Erichs“ der Engel der Erleuchtung schon angekommen?
Text: Edeltraud Gradauer
Beitrag erstellt von Eva am 02-01-2012 und zuletzt geändert am: 02-01-2012 um 22:08 Uhr
