Holzparty
![]() |
Die Holzparty
Kreischend, sägend, schlichtend, essend, unterhaltend!
Traudi und Silvana haben eingeladen, viel mehr als erwartet, sind gekommen: Gerhard, Freddy, Christian, Franz 1, Herta, Erich, Michael, Daniela, Kleksi, Franz 2, Markus.
Tja, wer hätte das gedacht!!!! Sage und schreibe 11 (in Worten elf) Personen sind unserer Einladung gefolgt und es wurde eine echte Holzparty:
Gerhard konnte es nicht erwarten und hat schon alleine begonnen, noch bevor wir anderen überhaupt angefangen hatten.
Eigentlich nicht ganz richtig, denn Freddy hat schon Tage vorher Rindsgulasch mit Nockerl für uns gekocht. Er gab genaue Anweisung, was und wieviel ich einzukaufen hatte, habe es auch einige Tage vorher zugestellt. Alles!. Aber dann hat doch der Majoran gefehlt. Eine Katastrophe! Rindsgulasch OHNE Majoran, kann man sowas überhaupt essen? Ganz ehrlich, hätte er nicht lamentiert, es wäre keinem von uns aufgefallen. Beim Essen kamen wir so richtig ins Schwärmen - dieser Geschmack, diese Feinheit, dieser Koch! Das hatten wir bisher in der Notschlafstelle noch nie:
Ein Gulasch völlig ohne Fett (und natürlich ohne Majoran!), eine Farbe zum Niederknieen, schöne weiche Fleischstücke, zart zum Hineinbeißen mit samtig weicher Sauce, würzig mit der richtigen Schärfe.
Und die Nockerl: Handgemachte Nockerl aus Vollkornmehl, kurz in Butter geschwenkt! Spitzenqualität! Da er derzeit eine 6-Tage-Woche und einen 12-Stunden-Tag hat, macht er halt die Nockerl nachts um 2 Uhr, logisch!
Die Bezahlung für die Arbeit war das Essen. Das haben alle vorher gewusst, daher gab es auch kein Problem. Wie gesagt, Gerhard hatte sich schon warm gearbeitet bevor wir kamen … Bei diesen Temperaturen sollte man eigentlich an der kühlen Steyr liegen.
Christian und ich holten erst die Bierbänke von der Notschlafstelle, denn Platz für 10 Personen gibt’s nicht in der 3er WG.
Franz 1 war auch schon da, half tatkräftig mit. Mit seiner Motorsäge zerschnitt er auch die dicksten Hölzer.
Sogar Herta kam dazu, arbeitete wie besessen den ganzen Tag. Sie sagte, das gefällt ihr mehr als den ganzen Tag am Balkon zu sitzen. Na ja, das süße Nichtstun kann nach einem so anstrengenden Tag auch ganz nett sein.
Erich war noch etwas lädiert vom Vortag, in seiner Nähe durften wir nicht allzu laut sprechen. Den Morgenkaffee vertrug er noch nicht, aber das Bierchen mittags schon. Nachmittags kam er nach und nach zu Kraft und fühlte sich wie Conan der Zerstörer. Auch das dickste Holz hielt ihm dann nicht mehr stand.
Michael und seine Freundin Daniela reichten mir gewissenhaft die Holzstücke nach und nach zur Säge hin, dass mir die Arbeit nur ja nicht ausgeht.
Traudi werkte wie wild mit der Beißzange, drehte und zog alle Nägel, Beschläge und sonstigen Eisenteile heraus. Leider hatte sie nachmittags Dienst im Tageszentrum, dann war eine Beißzange weniger!
Gerhard hat keine Mittagspause gemacht, er hat den ganzen lieben langen Tag geschnitten. Um sich herum eine große, dichte Staubwolke aus Sägespänen.
Kleksi behielt die Oberaufsicht, sagte uns ganz genau, wohin wir die zerkleinerten Stücke schlichten sollten: nämlich die feuchten außen vor der Waschküche, die trockenen drinnen im Haus. Ohne Asseln! Die Kellerasseln gehören ins Freie!, sagt er!
Markus betätigte sich als Paparazzi und machte zusammen mit Michael wirklich gute Fotos. Dank den beiden haben wir den Beweis, dass unser Chef auch die Arbeitsabläufe sehen konnte und nicht nur das Ergebnis.
Franz 2 war mit Feuereifer dabei, wollte unbedingt mit der Handkreissäge schneiden. Das durfte er aus Sicherheitsgründen nicht, und konnte dies überhaupt nicht akzeptieren. Klar, ich glaube ihm das natürlich auch: er kann wirklich besser, effizienter und mit mehr Kraft Holz schneiden als ich. Und gerne tut er es auch. Und dass ich als Frau ihm die Arbeit weggenommen habe, hat ihm wahrscheinlich auch gestunken.
Daniel hat uns besucht, sich mit Holz fotografieren lassen und sich dann selbst mit kühlen Getränken aus der Dose versorgt. Dann wurde er ganz, ganz müde und hielt ein Mittagsschläfchen unterm Ringlottenbaum. Nicht, dass ihn 2 Motorsägen und eine Mini-Kreissäge in seinem Schläfchen störten!
Und plötzlich kam unser Chef. Das an und für sich war noch nicht die Katastrophe. Zuerst haben wir uns noch gefreut, wir wollten ihm ja auch beweisen, dass viele Leute viel Spaß an der Arbeit haben können, dass wir zusammen helfen, jeder jeden unterstützt und hilft, dass wir gemeinsam was bewirken. ABER: er kam mit der schlechtesten Nachricht, die sich die WG - Damberggasse vorstellen konnte:
Das absolute AUS und Vorbei. Ausziehen bis 31.10. des Jahres, also in 3 Monaten.
Wir alle haben so viel Holz gemacht, dass es für den ganzen Winter reichen würde und jetzt das AUS. Kurzes Hängenlassen aller Köpfe, dann die Entscheidung: Wir machen trotzdem weiter!
Michael übergab mir kurz vor dem Weggehen eine DVD mit den Fotos vom Tag, sehr schön verarbeitet, als Präsentation mit Musik im Hintergrund.
Ein GROSSES LOB an alle Beteiligten!!! Ihr alle habt großartig gearbeitet!!!
Text: Traudi Gradauer
Beitrag erstellt von Eva am 16-09-2011 und zuletzt geändert am: 22-09-2011 um 09:56 Uhr

