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Leben ist Veränderung. Es tut sich immer etwas, auch wenn sich scheinbar nichts tut. Wahrnehmen und wahrgenommen werden stiftet Sinn. Schön die großen Storys und Bilder, die uns in die Zeitung bringen, aber auch die kleinen G’schichtln und Eindrücke, die das Leben schreibt und vermittelt. Davon soll hier die Rede sein.

 

Pizza Radeln

17.05.2019
Pizza Radeln

 

PIZZA RADLN

für die NOSTLER

 

 

 

 

Projektbeschreibung / Projektbericht

 

Weil wir das Tageszentrum 365 Tage im Jahr geöffnet halten, sehen wir es, unter vielem Anderen auch, als unsere Aufgabe, „ besondere Angebote“ zu setzen.

Dieses Projekt sollte einerseits zur körperlichen Bewegung anregen und auf der anderen Seite eine Möglichkeit schaffen, ein wenig Zeit für etwas Sinnvolles zu SPENDEN / aufzuwenden.

 

Wir stellen also den Hometrainer zur Verfügung und schreiben für 300 geradelte Kilometer eine Pizzaeinladung für alle dann aktuellen  NOTSCHLAFSTELLEN – BEWOHNER/innen aus.

 

Ein großes Plakat beim Fahrrad und eine unübersehbare Einladung / Projektbeschreibung, eingerahmt an der Theke, weisen auf den Projektstart hin.

Dass der Lohn für die Anstrengung nicht in die „eigene Tasche“ fließt, wird noch zu vielen Diskussionen führen.   Soviel wissen wir und dass es spannend wird.

 

Zur genauen Übersicht wurde eine Kilometerliste angelegt. Verzeichnet wurden der jeweilige Radler, die von ihm gefahrenen Kilometer und der gesamte Kilometerstand. Die diensthabende Kollegin war für die Begleitung der Liste zuständig. Es wurde motiviert, überredet, angestiftet, befeuert, sich geziert, verweigert, aufgeschoben,  lässig durchgezogen, gekeucht . . . und immer wieder diskutiert „warum man sich plagen soll, wenn man NIX davon hat“.

 

Eigentlich wäre das schnell geklärt, angesichts der Tatsache, dass der Fragende vielleicht gerade Kaffee und Kuchen verspeist, nach dem Duschen am warmen Kachelofen lehnt und wartet bis seine /ihre Wäsche fertig ist. Eine Bewusstwerdung.

 

Darüber hinaus aber, entspinnen sich auch sehr nachdenkliche private Gespräche.

Berichte über das Scheitern, der Enttäuschung, der Machtlosigkeit, des Verlassen seins, der Einsamkeit und dem gleichgültigen Verhalten im Umfeld. „ Mir hat auch KEINER geholfen“.  

Die „eigene Selbstwirksamkeit“ wird gründlich hinterfragt. Die Chancen, sich von „ganz unten“ wieder hoch zu kämpfen, als sehr gering eingestuft.

 

Irgendwann fällt aber dann doch irgendwem eine Geschichte ein, die vom kleinen unerwarteten Glück, vom Anlächeln, vom Entgegenkommen erzählt.

Und dann wissen wir wieder alle, wie lange eine kleine liebe Geste, in uns nachwirken kann. Wie sehr wir darauf angewiesen sind, uns als „ GESEHEN  und  ANERKANNT“ zu fühlen.

 

So vergehen auf unserer 300 Kilometeretappe,  Wochen und schließlich  Monate.

 

Der März fällt unter die Rubrik „Frühjahrsmüdigkeit“ mit sage und schreibe 0 Komma nix gefahrenen Kilometern. Der Sommer 2018 erweist sich als „ der Heißeste seit Menschen Gedenken“. Geradelt wird trotzdem, aber  mit aller gebotenen Zurückhaltung.

Das Vorhaben „ wir werden es schaffen“ lebt und lebt und lebt aber immer weiter.

 

AM 1.11.2018, nach NEUN MONATEN, ist es dann soweit. Ein Bewohner der Notschlafstelle radelt das Projekt über die Ziellinie.

 

AM 17.11.2018, einem Samstag, wurden von unserer diensthabenden Kollegin Dagmar, für die 11 derzeitigen Notschlafstellenbewohner die jeweilige WUNSCHPIZZA bestellt.

Wir sehen das Beweisfoto der ofenfrischen Lieferung.

 

Unser Langzeitprojekt ist abgeschlossen. Dass es als Solches länger dauern könnte – war uns klar. Dass daraus neun Monate geworden sind, damit hätte ich allerdings nicht gerechnet.

ABER macht es mir was aus? Nein, ganz bestimmt nicht. Es hat mir wieder einmal gezeigt, dass BEGLEITUNG nicht so lange dauert, wie ich mir  das „vor den Kopf stelle“.

Es dauert einfach manchmal, so lang „wie`s eben dauert“.  

Die unzähligen bewegenden Diskussionen und Auszüge aus den Lebenswelten unserer Besucher lassen mich hoffen und hoffen und hoffen. Und dranbleiben.

           

Projektverantwortliche

 

Sozialbetreuerin: DURNHOFER DORIS mit Unterstützung aller diensthabenden

Kolleginnen, Bewohnerinnen, Mowos`, Gäste: 20 Personen.

 

Bericht: Doris Durnhofer

 

 


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